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Portrait Jakob Muth

Jakob Muth erlebte 17jährig als Soldat den Krieg. Nach seiner Heimkehr machte er eine Maurerlehre, half beim Wiederaufbau von Mainz und machte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Volksschullehrer. 1960 wurde er Professor in Duisburg. Ab 1970 lehrte er in Bochum und war Mitglied des Deutschen Bildungsrates. Bereits 1973 empfahl er als Vorsitzender der Bildungskommission ein Konzept, das eine „weitgehende gemeinsame Unterrichtung von Behinderten und Nichtbehinderten vorsieht und selbst für behinderte Kinder, für die eine gemeinsame Unterrichtung mit Nichtbehinderten nicht sinnvoll erscheint, soziale Kontakte mit Nichtbehinderten ermöglicht". Heute verwirklichen wir das mit unseren Kooperationen.

In den 1970er Jahren war das Sonderschulsystem noch nicht ausgebaut. Schüler mit einer geistigen Behinderung wurden – wenn überhaupt – erst seit kurzer Zeit differenziert gefördert. (Unsere Einrichtung entstand 1967.) Die Kultusministerkonferenz stellte noch 1970 fest, dass etwa 60% der notwendigen Schulplätze für geistig behinderte Schüler fehlen. Bereits zu dieser Zeit war Jakob Muth ein starker Befürworter der Integration. Und seine Forderungen sind bis heute aktuell:

  • „Integration ist ein Menschenrecht“
  • „Integration ist unteilbar“ (Alle gehören dazu!)
  • „Jeder nach seinem Vermögen!“

Wichtig war ihm „eine Kommunikation, in der Behinderte sich eigentlich nicht mehr behindert vorkommen“. Integration war für ihn „kein Problem, dessen Für und Wider diskutiert werden kann, sondern eine Aufgabe, die den Menschen in einer demokratischen Gesellschaft aufgegeben ist.“ Die Menschlichkeit eines Menschen darf „nicht nur abhängig von einer individuell erbrachten Leistung im Wirtschaftssystem sein. … Menschlichkeit bestimmt sich wesentlich auch durch die Hilfe, die ein Mensch anderen Menschen zu geben bereit ist….“ Damit „Integration nicht auf Kosten und zu Lasten der behinderten Kinder realisiert wird“ forderte er sowohl personelle sonderpädagogische Qualifikation wie auch sachliche Ausstattung für die Gemeinsamkeit.

Mit unserer Namensgebung sehen wir uns der von Muth geforderten „Förderpädagogik“ verpflichtet, die keinen Schüler ausschließt sondern die Lehrenden (weiter-)bildet, damit sie der Förderung der Kinder gewachsen sind.
Wie ihm ist es uns ein hohes Anliegen, dass Kindern lernen, die Welt zu begreifen. Auch uns geht es nicht darum, auswendig zu lernen sondern darum, Sachverhalte zu begreifen. Und so bleibt mit dem Namen auch seine Pädagogik Programm:

  • Mut(h) machen, miteinander und voneinander zu lernen.
  • Mut(h) machen, sich die Welt anzueignen.
  • Mut(h) machen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Quellen: Jakob Muth: Integration von Behinderten. Essen 1986
                 Prof. Dr. Hans Wocken: Von der Integration zur Inklusion. Zeitschrift für                       integrative Erziehung. 2009

Weitere Informationen

Professor Jakob Muth

Professor Jakob Muth

* 30.06.1927
+ 24.06.1993